Phantasie ohne Grenzen

Bücherwelt

Was liegt derzeit in der Schublade und auf dem Schreibtisch? 

Fortsetzung zu Seitenweg - Wir befinden uns in einer komplett veränderten Welt. Was ist nur mit Velusian geschehen? Vincent, diesmal in Begleitung seines jungen Kollegen Joris, wird unverhofft und nach langen Jahren in das geliebte Land seiner Jugend versetzt. Doch nichts ist mehr, wie er es in Erinnerung hatte. Auf der Suche nach Antworten begegnen die zwei Wanderer endlich der geheimnisvollen Sishiala, die ihnen nur knapp das Leben retten kann. Wie konnte es so weit kommen mit Velusian, und was hält das Schicksal für die beiden Reisenden bereit? Derzeit schreibe ich an Kapitel 15 und bin selber sehr gespannt, wie die Geschichte am Ende ausgehen wird. 

Leseprobe:

„He da, was treiben Sie hier? Das Gelände ist gesperrt!“

Der Mann wandte sich erschrocken um, und zu Vincents größter Überraschung sah er im Licht der Taschenlampe das Gesicht seines Kollegen vor sich.

„Joris! Was zur Hölle! Wieso schleichst du denn hier herum? Ich dachte, es ist wieder einer dieser schnüffelnden Reporter. Was ist denn los? Du kannst doch den lieben langen Tag hier herumkriechen! Nicht, dass du das nicht schon getan hättest, während ich die Katalogisierung bearbeite…“

Unter dem vorwurfsvollen Ton zog Joris die Schultern hoch und blickte beschämt zu Boden.

„Vincent, es tut mir leid. Es ist nur… ich bin absolut fasziniert von diesem Ort. Noch nie war ich live bei einer so großen Sache dabei. Das ist einmalig!“

Die Begeisterung brach sich Bahn, doch dann biss er sich auf die Lippen und senkte erneut den Blick.

„Bitte sei nicht böse! Ich verspreche hoch und heilig, dass ich morgen artig am Schreibtisch sitzen und dir bei der Datierung helfen werde. Es wird nicht mehr vorkommen!“

Vincent musste wider Willen lachen, als er den schuldbewussten Gesichtsausdruck seines jungen Kollegen sah.

„Kein Thema, ich erinnere mich noch gut, wie aufgeregt ich gewesen bin, als ich zum ersten Mal dabei sein durfte. Es ist etwas ganz Besonderes. Ich gönne dir das durchaus.“

Sein Tonfall wurde eine Spur ernster, als er weitersprach.

„Das erklärt jedoch nicht, warum du dich hier alleine zu nachtschlafender Zeit herumdrückst. Du weißt, wie gefährlich die Abbruchkanten sind. Wenn es zu einer Rutschung des Erdreiches kommt, kann dir kein Mensch helfen. Also heraus damit… was treibst du hier?“

Joris trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, doch dann gab er sich plötzlich einen Ruck.

„Ok, ok! Es ist mit Sicherheit eine riesige Dummheit, aber…“

Er stockte kurz, dann sprach er weiter, mit mehr Nachdruck nun und einer verbissenen Entschlossenheit.

„Als ich vorhin unten im Gang war, habe ich etwas gesehen. Unter einem Sockelstein der Stützmauer. Niemand sonst schien es zu bemerken, und ich habe gedacht: Was wäre es für eine Sensation, wenn ICH derjenige wäre, der es findet! Ich wollte heute Nacht sehen, um was genau es sich handelt und morgen früh René damit überraschen. Ja, ich sehe schon, was du sagen willst. Aber die Wände sind perfekt abgestützt worden, da rutscht nichts. Ich wollte es auch nicht fortnehmen, nur vorsichtig nachsehen und dann morgen als erster an der Grabung sein!“

Sein Gesicht hatte nun einen trotzigen Ausdruck angenommen. Er sah aus wie ein kleiner Junge, der eine Tracht Prügel erwartete und wild entschlossen war, sich trotzdem um keinen Preis zu einer Entschuldigung hinreißen zu lassen.

Vincent schüttelte den Kopf. Nur zu gut erinnerte er sich an seine ersten Grabungen, die Euphorie, die Spannung.

„Schon gut, du hast den Grabungskoller, dagegen helfen keine Argumente! Ich sehe schon, dass ich es dir nicht ausreden kann. Verpfeifen will ich dich nicht, und die ganze Nacht bewachen kann ich dich auch nicht. Also werde ich dich begleiten und wir schauen uns das zusammen an. Wie klingt das für dich?“

Joris nickte mit erfreutem Gesichtsausdruck.

„Prima, Chef! Du bist ein wirklich feiner Kerl. Tausend Dank!“

Ohne zu zögern, wandte er sich wieder seinem Ziel zu, und Sekunden später standen die beiden unter dem Bogen. Im Lichtkegel der Taschenlampe konnte Vincent hinter den neu errichteten, stützenden Holzgerüsten die grauen Steinmauern erkennen, uralt und verwittert. Mit tastenden Schritten gingen sie in den Gang hinein, dessen Decke hier sehr niedrig war. Der Boden war sandig, und das Geräusch ihres eigenen Atems klang seltsam dumpf und erstickt. Plötzlich ließ sich Joris auf die Knie nieder und deutete mit seiner Lampe auf einen bestimmten Punkt am Fuße der gemauerten Wand. Vincent knipste seine eigene Maglite an und beugte sich hinab, um besser sehen zu können. Unter dem Stein lugte ein kleines Fetzchen Stoff hervor. Es war verschossen und abgewetzt, doch von so fester Webung, dass es die Jahrhunderte allem Anschein nach recht gut überstanden hatte.

Ohne abzuwarten, begann Joris, mit bloßen Händen den losen Sand am Boden fortzuschaufeln, bis er schließlich unterhalb des Steines eine Kuhle freigelegt hatte. Vom Gegendruck befreit, rutschte etwas mehr von dem Tuch in die Vertiefung nach und ließ nun ein Muster erkennen.

In bemerkenswert gut erhaltener, goldfarbener Stickerei zeichnete sich auf dem verwaschenen Untergrund ein krallenbewehrter Fuß ab, eine Klaue, der eines Adlers nicht unähnlich. Darüber war in liebevoll detaillierter Arbeit das Bein ausgeführt. Halb zeigte es eine grobe Befiederung, halb fein gezeichnetes Fell.

„Der Greif…“

Vincent hatte den erstickten Ruf ausgestoßen. Es klang halb wie ein Stöhnen, und als Joris sich verwundert umblickte, sah er, wie sich im Gesicht seines Begleiters stumme Qual und Entsetzen zeichneten.

„Was hast du? Was ist dir denn? Du siehst schrecklich aus! Was ist denn los?“

Vincent, der schnell versucht hatte, sich wieder in die Gewalt zu bekommen, setzte ein betont gleichgültiges Gesicht auf.

„Nichts. Es ist nichts. Ich bin mir sicher, wir haben es hier mit der Abbildung eines Greifen zu tun. Näheres werden wir aber erst morgen sagen können, wenn wir es ganz freigelegt und bei guten Lichtverhältnissen beurteilt haben. Ein schöner Fund, mein Junge, in der Tat! Nun lass uns aber schleunigst den Sand wieder zurückschieben und dann ins Bett gehen. Morgen wird sicher ein spannender Tag werden, besonders für dich!“

Unversehens hatte sich ein hektischer Unterton in seine Stimme geschlichen. Mit fahrigen Bewegungen versuchte er, den Sand wieder über das Tuch zu schieben, als er sah, wie Joris fast unwillkürlich die Hand nach dem Gewebe ausstreckte.

„Nein! Nicht! Fass es nicht an!“

Vincents alarmierter Ruf hallte dumpf im Gang wider, und er packte Joris heftig an der Schulter, um ihn zurück zu reißen. Doch es war bereits zu spät. Wie in Zeitlupe sah er, wie die Finger des jungen Mannes den Stoff berührten, eine ewige Sekunde lang darauf ruhten…

Dann wurde alles unwirklich, verschwommen. Wie in einem wilden Strudel wurden beide mitgerissen, hinein in undurchdringliche Schwärze und Eiseskälte, in Nacht und Vergessen. Der Gang lag verlassen da wie zuvor. Nur eine kleine Taschenlampe, die verloren aus einer Welle des sandigen Bodens ragte, zeichnete mit ihrem Lichtkegel eine winzige, leuchtende Insel in die tiefe Dunkelheit.

Biografie - Parallel arbeite ich an einer Biografie, die mich vor große Herausforderungen stellt. Es wird sicherlich eine Mischung aus Erlebtem und Erfundenem werden, doch zunächst wird erst einmal das Grundgerüst erstellt. Gespräche, Erinnerungen und Eindrücke formen sich zu einer Lebensgeschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Lasst euch überraschen.

historischer Zeitreiseroman - auch hier liegt schon ein Rohentwurf bereit. Im Zentrum wird die Burgruine Stolpen in Sachsen und die tragische Geschichte der faszinierenden Gräfin Cosel stehen. Bis ich hier weiterarbeiten kann, wird aber noch einige Zeit ins Land gehen. 

Sammelband - Zum Ende des Jahres plane ich eine Sammlung von zwei bis drei Weihnachtsgeschichten sowie einige Gedichte herauszugeben. Es wird eher ein kleiner aber feiner Band werden, und ich hoffe, das ehrgeizige Ziel 2019 ist haltbar. Man wird sehen.